China gestern und heute

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China

Zhong Guo

China – Zhong Guo, das „Reich der Mitte“ – ist seit jeher geheimnisvoll für uns Europäer, über Jahrhunderte war das Land allen Fremden verwehrt. Nicht erst seit Marco Polo sind die Produkte des Landes bekannt und begehrt; Seide, Porzellan und viele andere Dinge waren und sind die reinsten Exportschlager.

Und die Chinesen wissen, wie Handel und Export funktionieren – man denke nur an die berühmte Seidenstraße.

Begleiten Sie mich auf meiner Reise durch China, nach Shanghai, Tsingtau (Quingdao), Fangtze und anderen Orten, die ich zwecks der Recherchen für das Buch „Das Erbe des Wasserdrachen“ besucht habe.

Falls Sie noch mehr über die Entwicklung des Landes wissen wollen, lesen Sie gerne die Geschichte von China auf Wikipedia.

Shanghai

Vom Dorf zur Metropole

Shanghai

Erstmalig wird das Dorf Shanghai Urkundlich im Jahre 960 erwähnt, die Besiedelung der Region begann aber etwa schon um 4000 v. Chr. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Jangtse-Deltas wuchs auch Shanghai, 1074 erhielt es ein eigenes Steuerbüro, im Jahre 1264 wurde es mit drei anderen Dörfern zusammengelegt.

Das Fruchtbare Delta des Jangtze trieb die Bauwollernte in Rekordhöhe, so das bald ein Hafen angelegt wurde. Durch die günstige Lage bedingt entwickelte sich die Stadt bis 1900 zu einem wichtigen Hafen und Industriestandort. Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre entwickelte sich Shanghai zur Weltstadt, Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte Shanghais Bevölkerungszahl bereits die Millionengrenze.

Shanghai heute

Transrapid Shanghai

Zu Beginn der 1980er Jahre fiel die Stadt erneut die Vorreiterrolle bei der Modernisierung Chinas zu – rasantes Wachstum war die Folge. Shanghai profilierte sich vor allem mit Bio-, IT- und Mikroelektroniktechnik, ist außerdem der Sitz zahlreicher internationaler finanzieller Institutionen. In Shanghai steht das höchste Gebäude Chinas, der 632 Meter hohe Shanghai Tower, und die Stadt ist der weltweit einzige Ort, den eine Magnetschwebebahn – der Transrapid Shanghai – im öffentlichen Verkehr befährt.

Bilder von Shanghai


Tsingtau (Quingdao)

Geschichte

Bestrebungen, im ostasiatischen Raum einen Stützpunkt zu besitzen, lassen sich in Preußen bis in das Jahr 1859 zurückverfolgen. Am 1. November 1897 wurde China von Deutschland beschuldigt, zwei Missionare getötet zu haben und entsendete daraufhin ihre Flotte in die Bucht von Jiaozhou und Tsingtau, dem heutigen Qingdao. Nach langwierigen Verhandlungen wurde im März 1898 schließlich ein Friedensvertrag ausgehandelt, woraufhin das Gebiet für 99 Jahre gepachtet wurde. Das erlaubte Deutschland eine Eisenbahnlinie von Tsingtau nach Tsinan zu bauen, die etwa 400 km lange, sogenannte „Schantung-Bahn„.

Der Bau der Strecke begann am 23. September 1899 und wurde schliesslich im Jahre 1904 fertig gestellt. Von Tsinan hatte sie Anschluss an das gesamte chinesische Eisenbahnnetz und somit auch an die Transsibirische Eisenbahn. In zwölf bis vierzehn Tagen konnte man von Berlin nach Tsingtau fahren.

Tsingtau - Bahnhof
China, Tsingtau – Der Bahnhof

Die Kolonie wurde zu einem Vorzeigebeispiel deutscher Kolonialpolitik, ganz im Sinne des Sprichworts „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen„: 1914 zählte das ehemalige ärmliche Fischerdorf Tsingtau bald über 200.000 Einwohner, verfügte über einen modernen Hafen, war an das Telegraphennetz angeschlossen, hatte Trinkwasseranlagen und ein Abwassersystem – zu dieser Zeit einmalig in China. Nicht zu Vergessen: die Brauerei Tsingtao und seit 1909 eine Universität.

Aus dieser Zeit sind viele Bauten erhalten, so zum Beispiel die 1903 gegründete Germania Brauerei, heute als Tsingtao-Brauerei bekannt, der Bahnhof, eine protestantische Kirche sowie die Residenz des Gouverneurs.

Beim Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde die Kolonie Kiautschou von britischen und japanischen Flotten belagert; als den Deutschen die Munition ausging ergab man sich, am 7. November 1914 erfolgte schließlich die Kapitulation und die Besetzung durch Japan.

Lesen Sie dazu gerne „Die Belagerung von Tsingtau“ auf Wikipedia.

Quingdao heute

Bis in die 1990er Jahre wurden viele alte Kolonialbauten abgerissen, jedoch sind die bedeutendsten Gebäude von damals erhalten geblieben und unter Denkmalschutz gestellt worden. Heutzutage ist man in Qingdao stolz auf das architektonische Erbe aus der deutschen Kolonialzeit, die Wertschätzung für den deutschen Baustil geht heute so weit, dass in mehreren Neubaugebieten abweichend von der üblichen Hochhausbauweise vorwiegend mittelhohe, „deutsch“ aussehende Wohnhäuser in die grüne Landschaft eingepasst wurden.

Seit der Öffnung Chinas im Jahre 1978 entwickelte sich die Stadt wirtschaftlich sehr schnell, nicht zuletzt durch seinen Hafen, welcher der drittgrößte Hafen Chinas ist. Auch haben sich renomierte Firmen angesiedelt – die Tsingtao Brauerei ist mittlerweile die zweitgrößte Brauerei Chinas. Seit 1991 wird jährlich im August das in China einzigartige Qingdaoer Bierfest gefeiert, welches sich natürlich am Münchener Oktoberfest orientiert.

Bilder aus Tsingtau



Fangtze

Geschichte

Fangtze - Bahnhof
Fangtze – Bahnhof

Fangtze war eine für Deutschland relevante Bergbaustadt, an der Trasse der Schantung-Bahn gelegen. In der circa 528 km² messenden Wei-Region wurde überwiegend Kohle aber auch Eisenerz gefördert.

Um 1900 investierte Deutschland 1,3 Millionen Reichsmark in die Infrastruktur der Region und gründete die „Deutsch-Chinesische Mineralhandelsgesellschaft“, es wurden über 3000 chinesische Arbeiter eingestellt. Das was der Anfang der Industrialisierung von Fangtze.

Fangtze liegt im Stadtbezirk Fangzi der Stadt Weifang in der ostchinesischen Provinz Shandong. In seiner wechselhaften Geschichte wurde Fangtze zum Spielball der Mächte, wurde auch den Japanern und so weiter besetzt. Schlussendlich wurden jedoch alle Kolonialmächte vertrieben.

Von der Kolonialzeit zeugen noch viele Gebäude, unter anderem der von den Deutschen gebaute Bahnhof.

Fangtze heute

Heutzutage ist Weifang eine prosperierende Stadt, Fangtze wird wegen seiner historischen Gebäude zumeist „Fangtze Eurotown“ genannt. Die Region um Weifang indes ist bekannt für seine kunstvollen, handgefertigten Kite-Drachen; seit 1984 findet jedes Jahr ein internationales Drachenfestival in der Stadt statt.

Auch nicht unerwähnt bleiben darf die Küche, die tradionelle Malerei und die kunstvollen Scherenschnitte (Psaligraphie). Scherenschnitte haben in China eine lange Tradition, die Kunst des  Papierschneidens (jiǎnzhǐ) wurde wenigstens schon seit dem 6. Jahrhundert betrieben – die bevorzugte Farbe ist Rot.
Während des chinesischen Neujahrs- oder Frühlingsfestes herrscht in vielen Landesteilen die Tradition, diese Scherenschnitte  ans Fenster oder an die Tür zu kleben. Sie unterstreichen die festlich-fröhliche Atmosphäre der Feiertage.

Bilder aus Fangtze