Die Königin der Morgendämmerung

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Prolog

Fast zwei Jahre habe ich mit dem Schreiben meines neuen Romans „Die Königin der Morgendämmerung“ zugebracht. Nun, ich war nicht jeden Tag dabei, eher in „Etappen“ als am Stück, jedoch recht kontinuierlich, manchmal faul und dann wieder exzessiv, bis spät in die Nacht; je nachdem, wie die Gedanken um die Geschichte flossen. Jetzt ist es jedenfalls vollbracht, letzte Satz wurde geschrieben, der Lektor ist zufrieden und hat es abgenickt.

Inhalt

Die königin der Morgendämmerung
Wie wohl das Cover aussieht?

Im schwachen Licht der Morgendämmerung sieht Johannes den gespenstischen Lichtkegel einer Taschenlampe und die Silhouette einer Frau, die sich in Richtung Bootssteg bewegt. Kurz darauf fährt sie mit ihrem Fischerkahn hinaus auf den Chiemsee. Dann verschwindet sie aus seiner Wahrnehmung. Nur das kleine Bootslicht flackert noch eine Weile durch das Grau der sinkenden Nacht.

Dieses unbedeutende Ereignis ist für Johannes Bütow von großer Wichtigkeit, ebenso wie das himmlische Schauspiel des bevorstehenden Sonnenaufgangs. Dann wartet er auf den Moment, bis die Fischerin zurückkehrt. Jeden Tag ist er enttäuscht, wenn sie allein mit dem Boot am Steg anlegt; so enttäuscht, als würde er hoffen, dass sie ihm sein Leben zurückbringt.

Seit seine Frau Liliane vor einem Jahr gestorben ist, lebt er zurückgezogen und genügsam in seinen täglichen Ritualen. Die Arztpraxis hat er aufgegeben und in seiner Trauer um Liliane ein wohliges Nest gefunden.

Doch irgendetwas scheint heute anders zu sein. Als er nach seinem kargen Frühstück wieder aus dem Fenster seiner Villa schaut, ist er irritiert. Der Fischerkahn ist bereits zurück. Herr Bütow ist aufgeregt und durch die Abweichung in seinem Tagesablauf konfus. Noch aufgeregter wird er, als der Ton seiner Klingel durchs Haus schallt.

Die königin der Morgendämmerung

Als die Fischerin mit einer blutigen Hand vor ihm steht, überschlagen sich die Erinnerungen in seinem Kopf. Marlene, das ist Marlene, die mit fünfzehn Jahren vor der täglich drohenden Unberechenbarkeit ihres Vaters geflüchtet ist. Während er ihre Wunde behandelt, fühlt er sich durch seine Routine als Arzt und durch Marlenes Anwesenheit geerdet. Sie bietet ihm unbefangen und freudestrahlend an, abends zu erzählen, wie ihr Leben verlaufen ist.

Seine Patientengeschichten fallen ihm ein, die er geschrieben hat, um seiner Seele ein Ventil zu geben. Aufbewahrt in einem verschlossenen Ordner, findet er einen Text über Marlene.

Johannes ist wie verwandelt, als würde das Auftauchen der Fischerin exilierend auf ihn wirken. Er liest die Aufzeichnung über sie und ist verwundert, dass es nur wenige Seiten sind. Nachdenklich erinnert er sich an das hübsche Kind, dass sich ihm damals anvertraut hat.

Mit einem völlig neuen Lebensgefühl, kann er Marlenes angekündigten Besuch kaum erwarten.

Er liest ihr zuerst seine Interpretation der Flucht vor und die aufregende, schier endlose Zugfahrt bis Ostholstein. Begeistert über die Stimmigkeit seiner Geschichte, ergänzt Marlene anschließend den Verlauf der Odyssee bis zur Ankunft bei ihrer Tante Marlies und Onkel Franz, auf der Insel Fehmarn.

Nach dem ersten Abend, verabreden sie sich immer wieder, denn die Jahrzehnte ihres Lebens sind nicht in ein paar Stunden erzählt. Sie beschließen, dass er die jeweiligen Kapitel ihrer Vergangenheit weiter aufschreibt, bis sie in der Gegenwart angekommen sind.

Die königin der Morgendämmerung

Marlenes Reise durch die früheren Zeiten und ihr Schicksal sind bewegend. Sie bringen ihre und Johannes Gefühlswelten an gewisse Grenzen. Dabei spüren sie, dass ihre Vorstellungen von Vertrauen und Zweisamkeit im Einklang sind. Sie kommen sich von Abend zu Abend zaghaft näher.

Johannes beschreibt einfühlsam ihre Geschichte, von Liebe, Freude und Schicksalsschlägen.

Durch die schönen, heiteren Abende wächst ein neuer Lebensgeist. Johannes wird immer aufgeschlossener und mutiger, bis er Marlene seine Zuneigung gesteht. Mit Feingefühl und Vertrauen wagen sie einen gemeinsamen Weg zu finden.

Manchmal versucht er ihr Schicksal in seinen Geschichten umzulenken, weil ihm das reale Geschehen ihrer Vergangenheit zu nahegeht. Augenzwinkernd toleriert Marlene seine Abwandlungen, bis er eine völlig irreale Wendung beschreibt, die er als humorvolles Kunststück empfindet.

Marlene flüchtet daraufhin plötzlich aus dem inzwischen gemeinsamen Leben und Johannes fällt in seine alten Muster zurück. Untröstlich über seine fatale Idee, nimmt er all seinen Mut zusammen und fährt, bei Regen und Wind, mit dem Fischerkahn zur Fraueninsel.

Die königin der Morgendämmerung

Als er seine Suche schon aufgeben will, finden sie sich im Klostergarten wieder. Marlene spricht über ihre Ängste, die er immer mehr versteht, je näher sie zum Schlussteil ihrer Erzählungen kommen.

Johannes Befürchtungen bewahrheiten sich, dass Marlene gutgläubig in die Falle eines unberechenbaren Lügners geraten ist. Sein Verständnis für zwischenmenschliches Verhalten wird überfordert. Obwohl es ihm schwer fällt, schreibt er ihre Vergangenheit bis zum bitteren Ende auf.

Der See ruht still, die Wogen sind geglättet, als Marlene und Johannes dem Augenblick der Gegenwart nah sind und ihrer gemeinsamen Zukunft entgegensehen können. Der erste Schnee bedeckt die triste Herbstlandschaft und dämpft den Gesang melancholischer Gedanken der Vergangenheit.


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Bei den Literatur- und Kulturfreunden von Ute Lehner 


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